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Scania Winterspiele: Die zehnte Ausgabe

Der «Scania Winter» in Trysil, Norwegen, hat längst Tradition: vor 15 Jahren fand das einzigartige Schnee-Event zum ersten Mal statt, heuer zum zehnten Mal. Insgesamt dauerte die Veranstaltung vier Wochen, während derer rund 600 internationale Gäste – Scania-Kunden sowie rund 40 Fachjournalisten – die Möglichkeit bekamen, Scania-Trucks unter härtesten Bedingungen zu testen.

Text: Hans-Peter Steiner (für Scania Schweiz AG) / Foto: zVg

Winterliche Verhältnisse ist man als Mitteleuropäer heutzutage alles andere als gewohnt, sofern man nicht im Hochgebirge lebt. In Trysil, dem grössten Skigebiet Norwegens, wo übrigens das weltweit erste Skirennen überhaupt stattfand, etwas mehr als 200 Kilometer nordöstlich von Oslo und gleich bei der schwedischen Grenze gelegen, wird man schnell daran erinnert, was Winter eigentlich bedeutet, auch wenn man nicht zum Skifahren, sondern zum Lastwagentesten angereist ist.

24 winterfeste Trucks stehen fein säuberlich aufgereiht, einer grösser als der andere, schöner als der andere, bereit für die «Testfahrer» auf dem Sälen Trysil Flugfeld (Trysil flyplass, Sæteråsen), das um diese Zeit eher einer Schneewüste mit kleiner Baracke gleicht.

Bevor es endlich losgeht, erfolgt die obligate Begrüssung durch Alexander Vlaskamp, Head of Scania Trucks, inklusive Scania-Marktbericht: «19 Prozent Marktanteil in Europa, knapp 27 Prozent in der Schweiz» und ein Blick auf die Zukunft. Danach ein kurzes Briefing: Sicherheit ist oberstes Gebot bei diesem Event, eine orangefarbene Warnweste zu tragen jedes Journalisten Pflicht. Es gibt verschiedene Routen auf dem Flugplatzgelände selbst, auf der Land- und einer Forststrasse, und sogar eine Offroad-Passage. Die Fahrerinnen und Fahrer, alle Nicht-Profis, werden zur Vorsicht gemahnt. Zumal am Vortag ein schwerer Unfall auf der eisverkrusteten Hauptstrasse passiert war: «Zum Glück nicht mit einem unserer Fahrzeuge.» Auch vor Wölfen wird augenzwinkernd gewarnt, die offenbar die verschneiten Wälder durchstreifen.

Das Fahren

Nach der «Truck-Parade» fällt die Auswahl schwer: Für die anwesenden Journalisten aus Benelux, Italien oder der Tschechei sind vor allem die langen und schweren Fahrzeugkombinationen eine Verlockung, die man hier, und nur hier, zu fahren bekommt. Und davon gibt es eine ganze Reihe. Dass winterliche Strassenverhältnisse herrschen, tritt vor dem grossen Vertrauen, das die «Testfahrer» in die durchwegs winterbereiften Scanias setzen, etwas in den Hintergrund. Die Wetterverhältnisse erlauben es, die Fahrzeuge mitsamt Anhänger auch über die Landstrasse zu lenken – das war in früheren Wintern schon anders. Es lohnt sich aber durchaus, zunächst einmal einen «kleinen» Truck zu wählen – den P 320 Hybrid etwa, nur um erst einmal mit einem Solofahrzeug ein Gefühl für Strasse und Fahrverhalten zu bekommen (siehe auch Kasten: Scania’s Weg zur Elektrifizierung). Und, vor allem, um leise durch den Ort Trysil zu schleichen – elektrisch angetrieben.

Dann aber geht es ans Eingemachte: ein Holztransporter mit Kranaufbau, 25,25 Meter lang, 730 PS Zugmaschine, also Power ohne Ende: das Scania-Spitzenmodell, und dann noch als eine für Skandinavien typische Fahrzeugkombination, mit der wir hinunter ins Tal rollen, wobei das intelligente Zusammenspiel der ersten Stufe des Retarders und Betriebsbremse die Geschwindigkeit stetig halten, um dann den kleinen Umweg über die Waldstrasse zu nehmen, dort, «wohin der Timber-Truck eigentlich gehört», wie der begleitende Demo-Fahrer meint.

Wobei es nicht beim Timber-Truck bleiben musste, die Auswahl bot weitere überlange Kombinationen, Anhänger oder Dolly-Semitrailer, aber auch konventionelle Sattelzüge (16.50 m) sowie Solofahrzeuge mit verschiedenen Achskonfigurationen. Auch ein Abschleppfahrzeug, ein R 580 B8x4 NB stand für Probefahrten zur Verfügung, allerdings nur innerhalb des Flugfeld-Parcours. Natürlich durfte ein Schneepflug nicht fehlen: ein R 500 6x4 mit Kipperaufbau. Dass der Achtzylinder von Scania gerade sein 50-jähriges Jubiläum hinter sich hat, muss hier wohl nicht eigens erwähnt werden.

Lernen von den Demofahrern

Vor allem aber gibt es an dieser Winterveranstaltung von den Begleitfahrern einiges zu lernen, was relevant für Schneefahrten mit schweren Lastwagen ist: bergauf immer ein bisschen mehr Gas als nötig, und vor allem den richtigen Gang, manchmal sogar den Gang manuell einlegen und fixieren, bergab lieber sachte die Fussbremse bedienen, weil sie auf alle Räder wirkt, und möglichst nicht den Retarder, der nur die Antriebsachse bremst. Das Längsdifferential, wo vorhanden, ist ebenfalls hilfreich, allerdings muss man darauf achten, dass das Fahrzeug in engen Kurven nicht geradeaus schiebt. Um die Traktion zu verbessern, ist es ratsam – vor allem bergauf – Gewicht auf die Antriebsachse zu verschieben, indem man die Nachlaufachse bzw. die zweite Antriebsachse anhebt.

Manche Fahrzeuge haben Schleuderketten vor der Antriebsachse, die während der Fahrt zugeschaltet werden können, wenn der Untergrund sehr unsicher ist. Oder aber man bedient sich der vor den Antriebsrädern eingebauten «Streusandbüchsen» (autoline), mit denen Split unter die Räder gestreut werden kann, um Durchdrehen und damit Steckenbleiben zu verhindern.

Dass Scanias auch Offroad können, konnte man entweder mit einem kettenbewehrten, P 93 Militärfahrzeug per Handschaltung oder dem G 500 XT 6x6HZ Kipper mit mächtiger Stollen-Single-Bereifung ausloten: zweiter Gang, alle Sperren, und dann nur noch lenken. Wobei es entlang der Tiefschnee-Piste endlich die Chance gab, einige Elche und ein kleines Wolfsrudel zu entdecken – allerdings nur Attrappen.

 

 

 

Die Liste der 24 Testfahrzeuge

Auf der Liste der 24 Testfahrzeuge: Verteilerlastwagen als Hybrid- und/oder Low-Cab-Variante, die gesamte V8-Baureihe in unterschiedlichsten Konfigurationen (730, 650, 580, 540, 500 PS), darunter auch ein Abschleppfahrzeug oder ein mit Offroad-Pneus und Ketten bestückter 6x6-Kipper G 500. Einen 730 PS starken, 25,25 Meter langen «Timber-Truck» mit 60 Tonnen Gesamtgewicht zu fahren war Ehrensache.